Milking stool

ERASMUS Kurzprojekt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel

Datum // 2012
Art // Möbel
Betreuung // Thomas Feichtner

Der Melkschemel ist ein beinahe vergessenes, traditionelles Stück landwirtschaftlicher Kultur und Geschichte. Aufgrund des technologischen Fortschritts werden immer öfter automatische Methoden zur Milchgewinnung verwendet und verdrängen den Schemel als historisches Gut in Museen.
Mit diesem Projekt wird dem ehemals klassischen Arbeitsgerät von Bauern und Landwirten neues Leben eingehaucht und der Melkschemel wird als modernes Möbelstück neu interpretiert.
Aufgrund der Unwirtschaftlichkeit von Melkmaschinen in kleinen Landwirtschaften steht das Produkt in direktem Bezug zur österreichischen Geschichte und Gegenwart, denn viele Bergbauern in Österreich gewinnen Milch immer noch per Hand und sind auf klassische Geräte wie den Schemel angewiesen. Hier soll das Bewusstsein für die traditionelle, ländliche Kultur von Österreich verstärkt werden.
Dabei geht es nicht nur darum, den Melkschemel vom Stall ins Wohnzimmer zu bringen, sondern es soll auch die Frage gestellt werden, was mit Möbeln passiert, wenn diese nicht verwendet werden. Der einbeinige Schemel stellt diese Frage sehr offensichtlich. Er fällt um wenn man nicht darauf sitzt! Durch das Bein ergibt sich am Boden ein zentraler Drehpunkt, der den Schemel zu einer sehr spielerischen Sitzgelegenheit macht und zum Wippen, Schaukeln und zu vielen anderen Bewegungen ermutigt.
Eine angenehme Sitzposition wurde erreicht, indem das Bein in einem Winkel von 5° nach vorne geneigt ist. Um unbeabsichtigtes Wegrutschen
zu vermeiden und das Besondere an diesem Möbelstück zu unterstreichen befindet sich am Ende des Beins ein hellblauer Silikonfuß.
Falls der Schemel einmal nicht verwendet wird, kann er am Griff aufgehängt oder leicht transportiert werden.