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Die Thesis des Master of Arts in Creative Direction an der Hochschule Pforzheim besteht aus einer intensiven theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Design und den angrenzenden Gebieten. Dabei interessierte mich im besonderen Maß, wie ein Innovationsprozess aussehen könnte, welcher an den Designprozess angelehnt ist und statt dem Nutzer, alle am Prozess beteiligten Menschen ins Zentrum der Entwurfstätigkeit stellt. Dazu habe ich mich mit verschiedenen Erkenntnissen und Methoden benachbarter Disziplinen auseinandergesetzt und abschließend 9 Thesen zum erweiterten Designtransfer formuliert.

Abstract

Die Ge­sellschaft befindet sich im stetigen Wandel. Durch eine Weiter­ent­wick­lung der Werte und Be­dürfnisse innerhalb der Gesellschaft verlangen immer mehr Kon­sumenten von Orga­nisationen einen ver­ant­wort­ungs­vollen Um­gang mit der Um­welt. Un­ter­neh­men müssen zu­nehmend auf die ethisch und ökologisch ver­ant­wort­ungs­vol­len Ent­scheid­ungen der Kunden reagieren. Dabei versagen die bisher fun­ktion­ieren­den Werk­zeuge und Tech­niken immer öfter, dieser Nach­frage nach­zu­kom­men. Die Denk­weise der Design­branche kann dabei, wie schon mehrmals in der Geschichte der jungen Disziplin, hilf­reich sein. Aber auch deren Werk­zeuge und Stand­punkte haben sich in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt und wirken, im Gegen­satz zu der Vor­gehens­weise und den Werten einiger junger Design­strömungen, veraltet. Diese fordern eine Rück­besinnung auf die kulturelle, moralische und soziale Ver­ant­wortung der Design­dis­zi­plin, um zukunfts­fähig handeln zu können.

In dieser Arbeit werden die Her­an­gehens­weisen und Stand­punkte der aktuellen Design­strömungen genau beleuchtet und als Grund­gerüst für einen Transfer des Design­pro­zesses auf allgemeine Innovations­pro­zesse heran­gezogen. Um sozial und wirt­schaft­lich nach­haltige Inno­vationen zu ge­nerieren, reicht die nutzer­zentrierte Heran­gehensweise des Designs nicht mehr aus und muss für einen Design­transfer sinn­voll er­weit­ert werden. Es wird dar­gestellt, warum eine Em­pathie für alle Teil­haber am Pro­zess und ein Er­ken­nen der Aus­wirk­ungen der eigenen Hand­lungen für zukunfts­fähige Inno­vationen not­wendig ist. Die Themen­gebiete Empathie und Führung werden dabei genau betrachtet und ver­schiedene Theorien, Methoden und Er­kenntnisse heran­gezogen, um das Grund­gerüst des Design­prozesses damit an­zu­reichern.
Das Ergebnis der Arbeit ist ein Innovationsprozess, welcher als erweiterter Designtransfer auf dem Designprozess beruht und zur Erprobung einlädt.

„Wahre Veränderungen lassen sich nur mit transdisziplinären Prozessen und Methoden erreichen und nicht allein mit interdisziplinären Teams.“

Manifest des erweiterten Designtransfers

Design Thinking hat bewiesen, dass das Übertragen der Denkweise von Designern, auf Bereiche welche klassischerweise nicht mit deren Methoden arbeiten, zu außerordentlich innovativen Produkten und Services führen kann. Doch Theoretiker werfen der Designbranche, in den letzten 20 Jahren, nur geringe bis keine Veränderung der eigenen Prozesse und Standpunkte vor (vgl. Florian Pfeffer, 2014, S. 19 und Frank Wagner, 2015, S.16). Ähnliches gilt auch für das in den 1990er Jahren entstandene Design Thinking. Dieses lehnt sich stark an den Designprozess und die wirtschaftlich ausgerichtete Denkweise des Designs dieser Zeit an. Erfolgsfaktor ist vor allem die intensive empathische Auseinandersetzung mit dem Nutzer und seinen Bedürfnissen.

Die Analyse, dass die Designbranche seit dieser Zeit auf der Stelle tritt, ist zwar zu großen Teilen zutreffend, dennoch gibt es in vielen kleinen Nischen eine beträchtliche Weiterentwicklung.

Die Prinzipien, welche nach dem Niedergang des Funktionalismus über Bord geworfen wurden, werden heute von einer Avantgarde wiederentdeckt und in eine neue Form gebracht. Aufgrund des steigenden ökologischen, sozialen und ethischen Bewusstseins beim Konsumenten, müssen auch derzeit höchst erfolgreiche Denkansätze wie Design Thinking und das User-Centered Design hinterfragt und erneuert werden. Um als Organisation zukunftsfähige zu sein, muss auf die erweiterten Bedürfnisse des Kunden eingegangen werden. Dies kann nur durch einer Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungen und deren Folgen passieren.

Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit ein Manifest für einen erweiterten Designtransfer, welcher die Themen Organisationstrukturen, Führung, Empathie und verwandte Themen aufnimmt und sinnvoll einarbeitet, präsentiert.

1
Ein erweiterter Designtransfer muss als hervorbringender Prozess, Werte wie kulturelle, soziale, moralische und ökologische Verantwortung in sich aufnehmen und als integralen Teil der Vorgehensweise präsentieren.
2
Ein erweiterter Designtransfer muss die Strukturen und die Abläufe des Designprozesses übernehmen und mit benachbarten wissenschaftlichen Erkenntnissen erweitern.
3
Ein erweiterter Designtransfer muss die eigene Position im System, die Auswirkungen der Handlungen und die Intention der eigenen Organisation verdeutlichen.
4
Ein erweiterter Designtransfer muss alle Teilhaber am Prozess erkennen und miteinbeziehen.
5
Ein erweiterter Designtransfer muss den Akteuren Prozesse und Rituale der Empathie vermitteln, um diese Fähigkeit auszubauen und auf alle Teilhaber anzuwenden.
6
Ein erweiterter Designtransfer muss sowohl das Erlernen, als auch das Anwenden der empathischen Fähigkeiten auf den gesamten Prozess verteilen.
7
Ein erweiterter Designtransfer muss die generierten transformativen Lösungen so früh wie möglich implementieren und testen.
8
Ein erweiterter Designtransfer muss die organisationale Ebene erreichen und andere Prozesse mit seiner Denk- und Herangehensweise infizieren.
9
Ein erweiterter Designtransfer muss selbstreflexiv arbeiten, um sich an verändernde Situationen anpassen zu können und offen für neue Erkenntnisse von ausserhalb zu sein.